Oliver NawotkeIm Hamburger Stadtteil Eimsbüttel zündeten Unbekannte mehrere Polizeiwagen an. Diese Nachricht ereilte uns am 27.03.2017.
Es wirkt erschreckend auf Anwohner und andere Bürger überall in Deutschland, doch überraschend kann es nicht sein, denn Hintergrund soll der bevorstehende G20-Gipfel in Hamburg sein. Nun tauchte ein Bekennerschreiben auf einem linken Online-Portal auf. Auch dies stellt keine Überraschung dar. Die große Frage ist jedoch hier nicht, wer hatte Schuld daran, dass so etwas passiert, sondern was wird nun unternommen um ein solches Handeln in Zukunft zu verhindern?

Und was wird man tun? Wie immer nicht viel wahrscheinlich. Was soll man denn auch machen? Neue Kräfte nach Hamburg entsenden? Aus anderen Bundesländern? Aus Bundesländern, die auch schon seit Jahrzehnten kaputtgespart wurden?
Wie sieht es denn in Mecklenburg-Vorpommern aus? Die Landespolizei steht den Diebesbanden oft machtlos gegenüber. Nicht weil unsere Kollegen ihre Arbeit schlecht machen, sondern weil sie immer noch am Personalmangel leiden und keine zeitgemäße Ausstattung genießen dürfen. Wenn es zu einem Einbruch kommt, ist der nächste Streifenwagen oft über eine Stunde entfernt. Wie soll man da noch Herr über Einbrüche und andere Straftaten werden?

Aber jetzt muss wieder ein G20-Gipfel abgehalten werden. Gerade in Zeiten von absolutem Notstand im Personal der Polizei. Gewalttaten sind vorprogrammiert. Nicht nur Taten gegen den Staat und sein Eigentum, sondern auch ganz konkret gegen unsere Kollegen vor Ort. Unsere Kollegen, die oft in der Unterzahl gegen eine Zusammenrottung von Extremisten standhalten müssen.
Nicht, dass es falsch verstanden wird. Es ist natürlich richtig, dass bei einem Anlass wie dem G20-Gipfel so viel wie möglich an Polizei zusammengezogen wird, um einen störungsfreien Ablauf zumindest zu versuchen. Was jedoch jedem auffallen müsste, ist, dass man dort, von wo man die Kräfte abzieht, wieder ein riesiges Loch in das Personal reißt.
Hier mal eine mögliche Variante für Mecklenburg-Vorpommern:
Eine Hundertschaft wird nach Hamburg entsendet, die andere bleibt im Land für unsere kleinen Demonstrationen und die Fußballspiele des F.C. Hansa-Rostock, die übrigens trotz Abstiegs in die dritte Liga immer noch genauso gewalttätig geblieben sind wie vor Jahren schon. Und damit man alles irgendwie unter einen Hut bekommt, müssen die Revierkräfte in den Einsatzeinheiten auch wieder zu allen möglichen Veranstaltungen, die man absichern muss. Und so hat man dann Folgendes erreicht:

Der G20-Gipfel in Hamburg hat aus M-V nur eine Hundertschaft bekommen, obwohl dieser eigentlich mehr bräuchte.
Die Fußballspiele in M-V haben nur noch eine Hundertschaft und ein paar Einsatzeinheiten, obwohl man eigentlich mehr Kräfte bräuchte.
Und alle anderen kleinen Veranstaltungen müssen durch die zwei bis vier Verbliebenden auf dem Revier abgesichert werden.

Das wird schon irgendwie klappen. Aber wir sollten uns mal überlegen wie es aussehen könnte, wenn das mal NICHT klappt.

Oliver Nawotke,
stellv. Landesjugendleiter der Jungen Polizei M-V